Auch im Mai fand sich ein kleiner Kreis kulturbegeisterter Wahlkursteilnehmer*innen zusammen, um in den Kammerspielen „Die Attentäterin“ von Amir Reza Koohestani zu sehen.
Verortet in den Nahostkonflikt rückt die Inszenierung nach dem Roman von Yasmina Khadra die Attentäterin selbst ins Zentrum und fragt nach den Handlungsgründen weiblicher suicide bombers.
Amin – Arzt aus Leidenschaft – lebt als arabischer Israeli mit seiner Frau Sihem in Tel Aviv, was den Alltag für beide nicht immer einfach macht. Es ist Sihem, die eines Tages bei einem Anschlag in einem Kaufhaus zu Tode kommt. Zwischen Fassungslosigkeit und scheinbar unendlichem Schmerz muss Amin akzeptieren, dass es Sihem ist, die sich als Selbstmordattentäterin inmitten eines Kindergeburtstages in die Luft gesprengt hat. War es ein Handeln aus romantischer Liebe oder ein Aufbegehren gegen die patriarchalische Gesellschaft? Steht hinter allem religiöser Fanatismus, feministischer Aktionismus oder ein letzter Versuch der Selbstbefreiung? Die Perspektiven wechseln, die Ebenen ändern sich und immer wieder dreht sich alles im Kreis. Gelöst wird der Nahostkonflikt auch hier nicht, doch der Blick wird geöffnet für verschiedene Seiten der Problematik.